Lösungsorientiertes Denken und Handeln mithilfe von Design Thinking

Deine Fähigkeit zum lösungsorientierten Denken und Handeln ist entscheidend, um kreativ auf Unsicherheiten und komplexe Probleme zu reagieren. Das Design Thinking-Modell bietet dir einen praxisorientierten Ansatz, der die Bedeutung von Empathie, Ideenentwicklung und Prototyping hervorhebt. In deinem universitären Kontext könntest du vor Herausforderungen stehen, bei denen herkömmliche Lösungen nicht ausreichen. Hier kommt Design Thinking ins Spiel.

Design Thinking ist…

…eine kreative und problemorientierte Innovationsmethode, die darauf abzielt, komplexe Probleme durch intensive Nutzerzentrierung, Kollaboration und iterative Prototypenlösungen zu lösen.

Design Thinking eignet sich als Ansatz für lösungsorientiertes Denken, um die Ambiguitätskompetenz zu verbessern, aus mehreren Gründen:

  • Empathie und Nutzerzentrierung: Design Thinking legt einen starken Fokus auf die Bedürfnisse und Perspektiven der Nutzer, was zu einer höheren Sensibilität für verschiedene Sichtweisen führt.
  • Iteratives Prototyping: Durch das iterative Testen von Lösungen in kleinen Schritten wird eine positive Haltung gegenüber Unsicherheit gefördert, da sie als normale Phase im Lösungsprozess betrachtet wird.
  • Multidisziplinäre Zusammenarbeit: Die interdisziplinäre Zusammenarbeit fördert den Austausch von Ideen und erhöht die Vielfalt der Blickwinkel, was Ambiguität als Chance für kreative Lösungen betrachtet.

Im folgenden Video des “Harvard Business Review” Youtube Kanals erfährst du den Hintergrund der 3 Phasen des Design Thinking nach David M. Kelley, Tim Brown und Roger Martin.

Quelle: https://www.youtube-nocookie.com/embed/_WI3B54m6SU?si=_b1TK5oX-7Eu_m_p

Zu den Personen:

  • Tim Brown ist der CEO und Präsident der internationalen Designberatungsfirma IDEO und der Autor von "Change by Design".
  • Roger L. Martin ist ein ehemaliger Dekan der Rotman School of Management, Berater von CEOs und der Autor von "A New Way to Think" (Harvard Business Review Press, 2022).
  • David M. Kelley ist Professor an der Stanford University sowie Gründer von IDEO und dem Hasso Plattner Institute of Design. Kelley wird als Namensgeber und einer der Wegbereiter der Innovationsmethode Design Thinking betrachtet.

Zusammenfassung der 3 Phasen:

  • Invent
    In dieser Phase steht das Verständnis der Nutzerbedürfnisse und -perspektiven im Mittelpunkt. Das Design-Team setzt sich intensiv mit den Herausforderungen und Gegebenheiten auseinander, um ein tiefgehendes Wissen über die Bedürfnisse und Anforderungen der Nutzer zu erlangen. Dies kann durch Interviews, Beobachtungen und das Sammeln von Informationen erreicht werden.
    → Beispiel:
    Angenommen, du arbeitest an einem studentischen Projekt zur Verbesserung der Studienerfahrung. In dieser Phase würdest du Interviews mit Kommilitonen führen, um ihre Bedürfnisse, Herausforderungen und Erwartungen zu verstehen. Du könntest auch den Alltag der Studierenden beobachten, um einen umfassenden Einblick in ihre Erfahrungen zu gewinnen.
  • Test
    In der Entwicklungsphase werden Ideen generiert und Prototypen erstellt. Das Team nutzt kreative Techniken wie Brainstorming, Mind Mapping und Prototyping, um innovative Lösungsansätze zu entwickeln. Hierbei steht die Offenheit für verschiedene Perspektiven und die Bereitschaft zur Exploration im Vordergrund.
    → Beispiel:
    Basierend auf den gesammelten Erkenntnissen, könntest du in der Entwicklungsphase kreative Ideen generieren. Beispielsweise könntest du in einem Brainstorming-Ansatz innovative Konzepte für interaktive Lernplattformen, verbesserte Campus-Räume oder virtuelle Kommunikationsmöglichkeiten entwickeln. Durch die Verwendung von Mind Mapping könntest du Zusammenhänge zwischen verschiedenen Ideen erkunden und innovative Ansätze herausarbeiten.
  • Life:
    Die Umsetzungsphase beinhaltet die Implementierung der entwickelten Lösungen. Prototypen werden getestet, Feedback wird eingeholt, und die Ideen werden iterativ verbessert. Diese Phase legt den Fokus auf die Realisierung von konkreten Lösungen, wobei Flexibilität und Anpassungsfähigkeit während des Umsetzungsprozesses eine wichtige Rolle spielen.
    → Beispiel:
    Angenommen, nach dem Entwicklungsprozess entscheidet das Team, eine verbesserte Online-Plattform für den Austausch von Lernmaterialien und Kommunikation zu erstellen. In der Umsetzungsphase würdest du Prototypen dieser Plattform erstellen und sie in kleinen Testgruppen einführen. Du sammelst Feedback von den Testern und integrierst ihre Anregungen in die Weiterentwicklung der Plattform. Dieser iterative Prozess setzt sich fort, bis eine endgültige Lösung entwickelt ist, die den Bedürfnissen der Studierenden gerecht wird.

Diese Phasen sind nicht linear, sondern können sich iterativ überschneiden. Design Thinking fördert einen agilen und kollaborativen Ansatz, bei dem das Verständnis der Nutzerperspektive und die kontinuierliche Anpassung der Ideen während des gesamten Prozesses im Mittelpunkt stehen.

Einen Deep-Dive zum Thema “Design Thinking” findest du im Future-Skill-Profil “Design Thinking Kompetenz”. Quelle: https://nextskills.org/wp-content/uploads/2020/11/10-Design-Thinking-Kompetenz.pdf

Bonus: Proaktives Problemlösen mithilfe des PDCA-Zyklus

Das Modell des PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act) aus der Qualitätssicherung bietet dir eine strukturierte Methode, um proaktiv auf auftretende Probleme zu reagieren.

Stell dir vor, du bist Teil eines Gruppenprojekts und es treten unerwartete Schwierigkeiten auf. Anstatt auf diese zu reagieren, setzt der PDCA-Zyklus einen proaktiven Ansatz voraus. Du planst Maßnahmen, um das Problem zu bewältigen (Plan), setzt diese um (Do), überprüfst die Ergebnisse und den Fortschritt (Check) und passt deine Strategie bei Bedarf an (Act). 

Im folgenden Video des Kanals “Projekte leicht gemacht” erklärt dir Dr. Alexander Blumenau  den PDCA-Zyklus und zeigt dir, worauf du beim Anwenden dieses Modells zu achten hast: 

Quelle: https://www.youtube-nocookie.com/embed/0s73-nXrnT8?si=lXa20TK0dmcEX0Kw
Mehr über den Referenten Dr. Alexander Blumenau erfährst du in Lektion 4.2

Zusammenfassung des PDCA Zyklus:

  1. Planen (Plan):
    Die Identifikation des Problems, die Festlegung von Zielen und die Entwicklung eines Plans zur Lösung.
  2. Umsetzen (Do):
    Die Implementierung des Plans in die Praxis, die Durchführung der geplanten Maßnahmen.
  3. Überprüfen (Check):
    Die Bewertung der Ergebnisse, um sicherzustellen, dass sie mit den Zielen übereinstimmen, sowie die Analyse von Abweichungen und Problemen.
  4. Anpassen (Act):
    Die Umsetzung von Verbesserungen auf Grundlage der ermittelten Erkenntnisse, um den Prozess oder das Produkt weiter zu optimieren.

Der PDCA-Zyklus kann dazu beitragen, einen besseren Umgang mit Ambiguität zu entwickeln, indem er:

  • Klare Ziele und Pläne setzt: Der Planungsprozess im PDCA-Zyklus zwingt dazu, klare Ziele zu definieren und einen klaren Plan zur Zielerreichung zu erstellen. Dies hilft, Unsicherheiten zu minimieren, indem die Richtung und Erwartungen klar festgelegt werden.
  • Flexibilität und Anpassung ermöglicht: Da der PDCA-Zyklus iterative Schritte umfasst, ermöglicht er eine kontinuierliche Anpassung. Wenn Unsicherheiten oder neue Erkenntnisse auftreten, können die Pläne angepasst und verbessert werden.
  • Lernprozesse fördert: Die Überprüfungsphase ermöglicht es, Erfahrungen zu analysieren, Fehler zu erkennen und aus ihnen zu lernen. Dies fördert eine kulturelle Akzeptanz für Unsicherheiten als Teil des Lernprozesses.

Beispiel zur Veranschaulichung:

Angenommen, du bist Student*in und möchtest deine Lerngewohnheiten verbessern. Im Planungsstadium könntest du analysieren, dass du Schwierigkeiten hast, dich auf längere Lernzeiten zu konzentrieren. Dein Plan könnte darin bestehen, kurze Lernsitzungen mit klaren Pausen einzuplanen.

In der Umsetzungsphase führst du diese neuen Lernzeiten in deinen Alltag ein. Nach einer Woche Überprüfung erkennst du, dass diese Methode tatsächlich zu mehr Konzentration führt und deine Effizienz steigert.

Im Anpassungsstadium könntest du nun entscheiden, diese Methode beizubehalten und sie gegebenenfalls weiter zu optimieren. Vielleicht entdeckst du, dass bestimmte Pausenaktivitäten besonders effektiv sind, und passt deinen Plan entsprechend an.

Quellen & weiterführende Literatur

Zuletzt geändert: Freitag, 2. Februar 2024, 11:16