In der vorherigen Lektion…

hast du bereits erfahren, dass durch ambige Situationen, wie beispielsweise eine neue, komplexe und vermeintlich “unlösbare” Vorlesung kognitive Verzerrungen oder Denkmuster auftreten können.

Hier kommt jetzt die Antwort deiner Mini-Reflexion ins Spiel

Welche Gedanken hast du dir notiert? Vielleicht sind es Gedanken, wie:

  • “Das schaffe ich nie.”
  • “Ich kann einfach nicht mit Zahlen”
  • “Das verstehe ich nie bis zur Prüfung”

Diese kognitiven Verzerrungen sind systematische Fehler in der Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen, die auf automatisierten Denkprozessen basieren. Sie können das Denken beeinflussen und zu falschen Schlussfolgerungen führen. In Ambiguitätssituationen können verschiedene klassische Denkmuster auftreten, darunter:

  • Schwarz-Weiß-Denken:
    Beispiel: Du bewertest einen Kommilitonen nach einer einzigen Gruppenarbeit, die nicht optimal verlief. Aufgrund dieser Erfahrung betrachtest du diesen Kommilitonen fortan als "inkompetent" und ignorierst mögliche Gründe für das suboptimale Ergebnis, wie beispielsweise externe Faktoren oder unterschiedliche Lernstile.
  • Übergeneralisierung:
    Beispiel: Nach dem Nicht-Bestehen einer Prüfung ziehst du den Schluss, dass du in allen Fächern ungeeignet bist. Du verallgemeinerst den Misserfolg auf deine gesamte akademische Fähigkeit, ohne zu berücksichtigen, dass die Schwierigkeiten in diesem speziellen Fach liegen könnten.
  • Selektive Wahrnehmung:
    Beispiel: Du, als Student, der stark in einer politischen Richtung engagiert ist, liest einen Artikel über eine universitäre Diskussionsveranstaltung. Du konzentrierst dich jedoch nur auf die Abschnitte, die deine eigenen Überzeugungen unterstützen, und ignorierst Informationen, die alternative Perspektiven oder Standpunkte präsentieren.

Kognitive Verzerrungen sind im Umgang mit Ambiguität problematisch, weil…

sie dazu neigen, das Denken zu vereinfachen, oft auf Kosten einer genaueren und differenzierteren Betrachtung der Realität. Infolgedessen nehmen wir eingeschränkte Perspektiven ein, kommen zu fehlerhaften Schlussfolgerungen oder es mangelt uns an gedanklicher Flexibilität.

Daniel Kahneman, als Pionier in der…

… Verhaltensökonomie und Psychologie, hat mit seinem Kollegen Amos Tversky wegweisende Forschung betrieben, die grundlegend unsere Sichtweise auf Entscheidungsprozesse beeinflusst hat. Im Zentrum ihres Schaffens steht die Unterscheidung zwischen zwei Systemen des Denkens: dem schnellen, intuitiven Denken (System 1) und dem langsamen, reflektierten Denken (System 2).

Im folgenden Video von “Ein Bisschen Besser” erfährst du alles über diese zwei Systeme aus dem Buch von Daniel Kahnemann: "Schnelles Denken, Langsames Denken.”. Hinter dem Youtube Kanal “Ein Bisschen Besser” steckt ein 30-köpfiges Team, welches auf insgesamt 14 verschiedenen Kanälen Zusammenfassungen von Büchern und Hörbüchern veröffentlicht. Überlege dir während dem Video, welches der beiden Systeme geeigneter im Umgang mit Ambiguität ist.

Quelle: https://www.youtube-nocookie.com/embed/b8SOUPQ_fZY?si=bZ0LLeQ0pEEpko9m

Zusammenfassung der beiden Systeme:

  • System 1 (Intuitives Denken):
    Dieses System ist schnell, automatisch und emotional geprägt. Es basiert auf Heuristiken und ermöglicht schnelle Entscheidungen in bekannten Situationen. Allerdings ist es anfällig für kognitive Verzerrungen, wie den Confirmation Bias - dazu gleich mehr.
  • System 2 (Reflektiertes Denken):
    Im Gegensatz dazu ist System 2 langsam, bewusst und analytisch. Es wird bei komplexen, unbekannten oder widersprüchlichen Informationen aktiviert und erfordert mehr Aufmerksamkeit und Anstrengung.

Eine dieser Verzerrungen ist der confirmation bias, bei dem wir dazu neigen, Informationen auszuwählen, die unsere bestehenden Überzeugungen bestätigen.

Confirmation Bias (Bestätigungsfehler):

Der Confirmation Bias ist eine spezifische kognitive Verzerrung, die uns dazu neigen lässt, Informationen auszuwählen und zu interpretieren, die unsere bestehenden Überzeugungen oder Hypothesen bestätigen. Diese Neigung beeinflusst maßgeblich, wie wir Informationen aufnehmen und verarbeiten, da wir dazu tendieren, widersprechende Informationen zu ignorieren oder abzulehnen.

  • Beispiel:
    Stellen wir uns vor, jemand glaubt fest daran, dass der Klimawandel eine Erfindung ist. Dieser Confirmation Bias könnte dazu führen, dass diese Person hauptsächlich Informationen konsumiert, die ihre skeptische Haltung unterstützen, während sie widersprechende Beweise oder wissenschaftliche Konsensmeinungen ignoriert.
Tipps zur Überwindung
  • Bewusstsein schaffen: Sich der Existenz des Confirmation Bias bewusst sein, ist der erste Schritt. Aktive Selbstreflexion während Entscheidungsprozessen hilft, diese Verzerrung zu erkennen.
  • Diverse Informationsquellen nutzen: Um den Bias zu minimieren, ist es wichtig, eine Vielfalt an Informationen aus unterschiedlichen Quellen zu konsumieren.
  • Kritische Fragestellung: Hinterfrage deine eigenen Überzeugungen regelmäßig und suche aktiv nach Beweisen, die dagegen sprechen könnten. In der kommenden Übung erfährst du, wie du deine eigenen Gedanken tracken und umwandeln kannst.

Insgesamt hat die Arbeit von Daniel Kahneman und Amos Tversky die Grundlage für das Verständnis menschlicher Entscheidungsprozesse gelegt und ihre Erkenntnisse sind von großer Bedeutung für die Förderung kognitiver Kompetenzen, insbesondere im Umgang mit Ambiguität.

Bonus: Das Modell erklärt von Kahneman persönlich

Quelle: https://www.youtube-nocookie.com/embed/PirFrDVRBo4?si=nAvWv2UIyUtLUU6h

Fazit:

In Ambiguitätssituationen ist es wichtig, bewusst zum langsamen Denken überzugehen. Das schnelle Denken, das von kognitiven Verzerrungen beeinflusst wird, neigt dazu, automatisch und impulsiv zu sein. Das langsame Denken hingegen ermöglicht eine bewusstere, reflektierte Herangehensweise, bei der die Denkfehler minimiert und eine präzisere Analyse der Situation ermöglicht werden können. Es erlaubt eine tiefere Reflexion, Berücksichtigung verschiedener Informationen und die Fähigkeit, kognitive Verzerrungen zu erkennen und zu korrigieren.

Reflexionsfragen:

  1. Welchen “Conformation Bias” hast du selbst an dir festgestellt?
    Beispiel: “Während meiner Literaturrecherche neigte ich dazu, vorrangig nach Studien zu suchen, die meine Hypothese stützen, und weniger Aufmerksamkeit auf Forschung zu legen, die möglicherweise alternative Perspektiven oder widerlegende Beweise darstellte.”
  2. Wie kannst du in deinem Alltag mehr ins “Slow Thinking” kommen?

Quellen & Literatur:

Zuletzt geändert: Donnerstag, 1. Februar 2024, 14:11