1.7 Kommunikationsmodell Transaktionsanalyse
In dieser Lektion…
…werden wir die Transaktionsanalyse nach Eric Berne genauer betrachten. Die Transaktionsanalyse ist ein Kommunikationsmodell, das im Jahr 1957 von Eric Berne, einem amerikanischen Psychiater, entwickelt wurde. Dieses Modell basiert auf der Psychoanalyse und hilft uns, die Kommunikation besser zu verstehen und unser Verständnis für uns selbst und andere zu vertiefen.
Quelle: https://www.youtube-nocookie.com/embed/LW3CmWs4QMM?si=gDC2JhIcuL7cqCzV
Die drei “Ich-Zustände”:
- Das Eltern-Ich:
Dieser Zustand repräsentiert Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen, die von unseren Eltern übernommen wurden. Das Eltern-Ich kann sich in zwei Ausdrucksformen zeigen: fürsorglich oder kritisch-autoritär. In der Kommunikation äußert sich dies beispielsweise durch Bevormundung, Anweisungen und kritische Bewertungen. - Das Erwachsenen-Ich:
Das Erwachsenen-Ich ist reif und ermöglicht uns, Situationen objektiv und sachlich zu betrachten. Hier erfolgt die Kommunikation logisch und angemessen. Menschen, die im Erwachsenen-Ich-Zustand kommunizieren, behandeln andere respektvoll und gleichwertig. - Das Kind-Ich:
In uns lebt auch das Kind, das wir einmal waren. Es zeigt sich in verschiedenen Ausprägungen: natürlich verspielt, angepasst-ängstlich oder rebellisch-trotzig. Die Reaktionen aus dem Kind-Ich können uneinsichtig, albern, trotzig oder unsicher sein. Aber auch positive Qualitäten wie Phantasie und Neugier können Teil dieses Ich-Zustands sein.
In der Kommunikation mit anderen wechseln wir zwischen diesen Ich-Zuständen. Wenn jemand beispielsweise aus dem Eltern-Ich heraus spricht, wird die Antwort in der Regel aus dem Kind-Ich erfolgen. Dieses Wechselspiel von Ansprache und Reaktion aus den verschiedenen Ich-Zuständen nennt man Transaktion.
Das Modell im Alltag:
In unserem Studien- und Berufsalltag begegnen uns oft Situationen, in denen die Transaktionsanalyse relevant ist. Schauen wir uns einige Beispiele an:
Stell dir vor, du arbeitest in einer Gruppenarbeit an einem Projekt. Einer deiner Teamkollegen spricht dich in einem kritisch-autoritären Ton an und sagt, dass du deine Aufgaben nicht richtig erledigt hast. Hierbei handelt es sich um eine Transaktion, bei der das Eltern-Ich des Teamkollegen mit dem Eltern-Ich spricht. In deiner Antwort könntest du aus dem Kind-Ich reagieren, indem du dich verteidigst oder dich rechtfertigst. Dies könnte zu Konflikten führen. Stattdessen könntest du versuchen, aus dem Erwachsenen-Ich zu antworten, um sachlich und konstruktiv auf die Kritik zu reagieren.
Besprechung im Beruf:
In einem beruflichen Meeting äußert dein Vorgesetzter aus dem Eltern-Ich heraus seine Erwartungen an dich. Wenn du aus dem Kind-Ich antwortest, indem du gehorsam und ängstlich reagierst, kann dies dazu führen, dass du dich bevormundet fühlst. Stattdessen könntest du versuchen, aus dem Erwachsenen-Ich zu antworten, um deine Sichtweise und Lösungsvorschläge auf sachliche Weise einzubringen.
Kommunikation mit Kommilitonen:
Du sprichst mit einem Kommilitonen über ein gemeinsames Projekt. Wenn dieser in einem spielerischen Ton spricht und Ideen äußert, handelt es sich um eine Transaktion zwischen seinem Kind-Ich und deinem Kind-Ich. Du könntest ebenfalls aus dem Kind-Ich heraus antworten, indem du dich auf das Spiel einlässt und kreative Ideen entwickelst.
Die Transaktionsanalyse hat viele Vorteile, wie beispielsweise:
- Ein besseres Verständnis der eigenen Ich-Zustände.
- Schnelleres Erkennen der Ich-Zustände bei Gesprächspartnern.
- Die Möglichkeit, bewusster aus dem Erwachsenen-Ich heraus zu kommunizieren.
- Die Akzeptanz aller Ich-Zustände.
Durch das bewusste Analysieren von Kommunikationssituationen im Hinblick auf die Ich-Zustände können wir eingefahrene Kommunikationsmuster erkennen und gegebenenfalls ändern. Dies kann zu einer effektiveren und konstruktiveren Kommunikation führen.
Sei ehrlich…
… Modelle können oft sehr abstrakt sein und/ oder vereinfachen die Realität so sehr, dass man nicht weiß, wie und ob sie im Alltag überhaupt anwendbar sind. Wie siehst du das bei diesem Modell? Bringt es dir in deinem Alltag einen Mehrwert oder hast du Kritik an dem Modell? Teile deine Meinung gerne im Forum.
Nun lass uns dein Wissen rund um das Modell in der folgenden Übung einmal unter Beweis stellen und herausfinden, wann du dich selbst in die verschiedenen Ich-Zustände begibst.
Quellen & Literatur:
- Manfred Gührs, Claus Nowak: Das konstruktive Gespräch: ein Leitfaden für Beratung, Unterricht und Mitarbeiterführung mit Konzepten der Transaktionsanalyse (7. Auflage), Limmer Verlag, 2014. https://search.worldcat.org/de/title/889965601